Fotograf und Grafikerin in Nepal
Hannes und Elena
Von Pokhara nach Bhakunde fuhren wir, um die Kinder in ihrem Zuhause zu besuchen.

Puh…. Es ist so heiß! Gott sei Dank bin ich nicht alleine unterwegs, um die Kinder im Waisenhaus zu besuchen. Die charmante, bezaubernde und wundervolle Elena von 36Grad Design begleitet mich.

Von Gorkhã aus traten wir für 1,50 € die überfüllte, sechsstündige Busfahrt nach Pokhara an. Dort angekommen, ging die Suche nach einem Hotelzimmer los. Wir landeten im Hotel Monalisa, das einen wundervollen Ausblick auf den Fewa Lake bot. Abends aßen wir noch eine gemischte Leckereien im naheliegenden gemütlichen Restaurant „Don´t pass me by“. Trotz des günstigen Angebots und der netten Bedienung blieben wir die einzigen Gäste.

Ruhiger und entspannter als in Kathmandu reihten sich in Pokhara unzählige kleine und schöne Bars und Restaurants aneinander. Gerade am Phewa/Fewa Lake schwingt ein gechilltes Urlaubsfeeling mit ̶ Bier, Shisha und Sonne. Perfekt! Es bot sich ein schöner Blick auf die umliegenden Berge und Hügel. Auf einem der

See mit Booten im Sonnenuntergang fotografiert
Fewa Lake in Pokhara

schmalen Bergrücken, ca. 1113 m über dem Phewa Tal thront die Friedenspagode World Peace Pagoda (Biswo Shanti Stupa). Sie ist eine von über 80 erbauten Weltfriedenspagoden auf der ganzen Welt. Sie soll dazu beitragen, den Frieden unter allen Ethnien und Glaubensrichtungen zu fördern. Die Wanderung zur Stupa ließen wir uns nicht entgehen, ein schöner Tagesausflug von Pokhara aus. Bei gutem Wetter bietet sich ein wunderschöner Ausblick auf das Tal, den Phewa-See und natürlich auch auf die schneebedeckten Berggipfel des Himalayas.

Friedenspagode World Peace Pagoda
World Peace Pagoda in Pokhara

Next Stop: Bhakunde. Das Hotel rief uns ein Taxi und teilte uns den Preis von umgerechnet 5 € zum Ziel mit. Während der Fahrt vergewisserten wir uns nochmal, ob 5 € ok sind und er nannte uns plötzlich die dreifache Summe. Die darauf folgende Diskussion brach schnell ab und er schien schlagartig jegliche Englischkenntnis verloren zu haben. Beim Aussteigen drückten wir ihm die zuerst genannte Summe in die Hand mit den Worten „That’s enough! (Das muss reichen für 4 Minuten Fahrt)“. Mittlerweile bekamen wir immer mehr und mehr das Gefühl für die Taxipreise und seine Preisvorstellung war weitaus übertrieben. So ließen wir ihn sprachlos stehen und gingen zum Busschalter, wo niemand Englisch sprach. Trotzdem landeten wir sofort im richtigen Bus und los ging die holprige Fahrt zum Kinderheim FCWH (Forum for the Welfare of Himalayan Children), ein Projekt der Nepalhilfe e.V. in Bakhunde, nördlich von Pokhara, ländlich gelegen.

Jungen lachen und werden fotografiertDie Kinder und Mitarbeiter empfingen uns direkt sehr herzlich und interessiert. Unser Zimmer, ein kleiner Raum mit drei Betten und einem Wellblechdach und einem Ventilator. Fließendes Wasser gab es zunächst für unser Zimmer nicht. Da Not erfinderisch macht, fingen wir das Regenwasser mit Eimern und Plastikflaschen auf, um zumindest Wasser zum Spülen der Toilette zu haben. Man kümmerte sich aber später darum, dass uns Wasser zum Duschen zur Verfügung stand.

Forum for the Welfare of Himalayan Children
Kinderheim FCWH in Bhakunde

In dem Kinderheim leben 98 Kinder, die auf verschiedene Wohnhäuser mit aufgeteilt sind. Jedes dieser Häuser beherbergt 20 bis 25 Kinder, die jeweils zu sechst in einem Zimmer in Hochbetten schlafen. In jedem der vier Gruppen arbeiten zwei „House mothers“, die die ganze Woche zusammen mit den Kindern dort leben und teils „Mummy“ genannt werden. An einen Tag in der Woche haben sie abwechselnd frei, um zu ihren Familien zu fahren.
Die Kinder waren aufgeschlossen und suchten den Kontakt zu uns und löcherten uns mit Fragen über Deutschland und wie wir dort leben. Was auch sehr gut ankam waren Fotos auf dem Handy, zeigt man einem Kind ein Foto, stehen sofort 20 Kinder um das Handy und wollen gespannt sehen, was es dort zu gucken gibt.

Während des Aufenthalts entschlossen wir uns für einen Ausflug aufs angrenzende Reisfeld, auf dem Reisbauern und -bäuerinnen ihre Arbeit vollbrachten. Die Männer pflügten mit vorgespannten Ochsen das Feld, während die Frauen mit großen Bastkörben den Reis ernteten.

Arbeiterin auf einem Reisfeld
Pause auf dem Feld

Frauen scheinen hier zulande körperlich viel härtere Arbeit zu verrichten, als man das von Deutschland kennt. Wo bei uns der Mann anpackt, schuftet hier die Frau.

Der Weg durch das Feld gestaltete sich schwierig aufgrund des vorangegangenen Regens mehr oder weniger schwierig, da wir mit unseren Flip-Flops im matschigen Boden versanken.

Auf dem Rückweg fanden wir den ein oder anderen „versunkenen“ Schuh im Feld, die Idee hatten wohl schon einige andere. Aber der Weg lohnte sich sehr, da sich dort einige wundervolle Motive für die Kamera boten.

Nach diesem Kurztrip in die Umgebung, zurück im Kinderheim, gab es dann auch schon Abendessen. Morgens, mittags, abends… Dal Bhat. Eigentlich ein sehr leckeres und gesundes Gericht, was allerdings an Attraktivität verliert, wenn es lieblos auf einer Platte serviert wird.

Eines Morgens war Elena mit dem Grafikerin Elena HerglSchneckeninternet (was noch halbwegs direkt neben dem Büro funktionierte) und der Fertigstellung eines Plakats für das Street Food Festival in Erftstadt beschäftigt, während ein Kind zu unserem Zimmer gelaufen kam und rief: „Hello Mam and Sir! Dal Bhat!“ Die nächste Runde Reis…

Erstaunlich zu sehen war, wie die Kinder ganz selbstverständlich in den Alltag und in die Hausarbeit eingebunden waren. Die Kinder halfen sich gegenseitig und packten alle an. Zurechtweisungen? Fehlanzeige. Interessant, was man doch schon von so jungen Kindern erwarten kann. Der Alltag ist gut durchstrukturiert und gekennzeichnet von Respekt und gegenseitiger Rücksichtnahme.

Kinder waschen Wäsche
Die Kinder waschen ihre Wäsche mit der Hand…

Die Alltagssituationen und die Arbeitseinstellung sind spannend mitzuerleben… Auf der einen Seite hat man die überdurchschnittliche Struktur und Ordnung, wie sie uns im Kinderheim bot, andererseits sieht man Menschen tagelang an der Straße sitzen, begleitet vom Nichtstun. Oder Geschäfte, in denen die ganze Familie arbeitet bzw. auf Kundschaft wartet, wo man sich fragt, wie sich so die Familie ernährt. Aber genau solche Entdeckungen machen diese besondere Spannung und das Interessante an diesem Land aus.

Weiterführende Informationen zum Kinderheim und zum Spenden findet man auf www.nepalhilfe.de

Viele Grüße!

Elena & Hannes

<<< Hier gehts zum ersten Teil des Artikels über Nepal.

3 thoughts on “Nepal – Kinder im Heim & Flip-Flops im Matsch

  1. Der Bericht beschreibt eindrucksvoll die aktuelle dramatische Situation in einem der ärmsten Länder der Erde. Beim Lesen wird wieder einmal deutlich, in welchem „Luxus“ selbst der Durchschnittseuropäer lebt. Viele könnten durch Spenden helfen, die dortige Not zumindest etwas zu lindern. Gleichzeitig ist es schön, zu erfahren, dass es auch dort Menschen gibt, die trotz der sehr bescheidenen finanziellen und materiellen Möglichkeiten sehr engagiert bemüht sind, wenigsten etlichen Kindern in Kinderheimen durch entsprechende Bildung und Erziehung den Weg in eine bessere Zukunft zu öffnen.

  2. Hallo Hannes, hallo Elena,

    wir beneiden euch ein bischen für euren Mut für diese Reise.
    Danke, dass ihr uns durch die Bilder und die interessanten Berichte daran teilnehmen lasst.
    Wenn auch bequem von der Couch aus….
    Aber richtig erleben kann man natürlich diese Länder nur wenn man hin fährt.
    Also euch beiden weiter viele neue Eindrücke und Erlebnisse.
    Paßt auf euch auf und wir freuen uns auf die nächsten Berichte.

    Wilfried & Helga

  3. Ein toller Bericht über eine Welt die so fern und uns so fremd ist. Ein Grund mehr, um dankbar dafür zu sein, dass es uns an nichts mangelt. Und vielleicht auch ein Anlass etwas zu teilen…. Das Kinderheim kann sicherlich Spenden gebrauchen …. vielleicht ist es dann auch möglich den Speiseplan etwas üppiger zu gestalten….

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